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Wirtschaft auf dem Autoscooter? Ökonomin Traud warnt vor Sorglosigkeit

Wirtschaft auf dem Autoscooter? Ökonomin Traud warnt vor Sorglosigkeit

17.10.2017
17.10.2017

Die Aktienmärkte feiern eine Party nach der anderen, der Deutschen Aktienindex (Dax) hat erstmals die Marke von 13.000 Punkten übertroffen – geht der (wirtschaftliche) Aufschwung einfach so weiter? Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Hessischen Landesbank (Helaba), tritt auf die Euphoriebremse.

„Nehmen Sie das Bild eines Jahrmarkts. Viele Länder in Europa fahren inzwischen  Autoscooter, drängeln und sind sorglos“, mahnte sie auf dem 9. Deutschen Maschinenbau-Gipfel in Berlin. Auch die Märkte seien angesichts vieler Risiken zu sorglos unterwegs. Zwar laufe die Weltwirtschaft derzeit gut und sei auch nicht in einen allgemeinen Protektionismus gewechselt. Davon profitierten die Industriesektoren – und damit auch der Maschinenbau. Aber viele Unwägbarkeiten würden unterschätzt, etwa die drohende Abspaltung Kataloniens von Spanien. „Eine solche Abspaltung wäre ein Risikofaktor für die EU, wie man sich ihn kaum vorstellen kann“, warnte Traud. 

Große Skepsis zeigte die Helaba-Chefvolkswirtin bezüglich der wirtschaftspolitischen Entwicklung in den USA. Die amerikanische Industrie sei „auf Rezessionsniveau und vielfach nicht wettbewerbsfähig“ und Präsident Donald Trump werde seine große Steuerreform nicht durchsetzen können. „Dazu fehlt das Geld“, formulierte es Traud knapp. Deutlich mehr traut die Ökonomin dagegen dem deutschen Maschinenbau zu: während die VDMA-Chefvolkswirte von einem Produktionswachstum 2018 von 3 Prozent ausgehen, erwartet Traud sogar ein Plus von 4 bis 4,5 Prozent. Auch das sei, im Vergleich zu früher, aber ein „verhaltener Aufschwung“, schränkte sie ein. 

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Holger Paul
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Bildquelle: VDMA